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Bernd Köhler (Gesang, Gitarre), Laurent Leroi (Akkordeon), Joachim Romeis (Geige)

Zu hören sind 11 Titel aus unseren Aktivitäten/Programmen der vergangenen Jahre. Ein Mix aus neu aufbereiteten historischen Stücken und aktuellen Eigenkompositionen. Live eingespielt im Straßburger Studio von Didier Houbre. Ergänzt durch Die Herren der Welt, einer bisher unveröffentlichten Aufnahme aus dem Jahr 2009, mit Hans Reffert an diversen E-Gitarren und Christiane Schmied an den elektronische Maschinen  (Text: Erich Weinert).

Normalerweise läuft in „unserer Liga” der Verkauf einer CD ja hauptsächlich über das haptische Erlebnis, also die Konzerte. Da das aller Wahrscheinlichkeit nach (gerade wurden alle unsere Herbstkonzerte infolge steigender Corona-Zahlen abgesagt) über den Herbst/Winter entfällt, kommt jeder anderweitigen Verbreitung eine besondere Bedeutung zu.

Also tut euch etwas Gutes, holt euch diese Mut machende neue CD und helft unserer Kultur zu überwintern. 

 

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Preis: 15 Euro + 2 Euro Versandkosten

AVANTI POPOLO 3 – TITEL-LISTE

1    Linker Vogel, schräger Kauz
2    Hasta Siempre, Commandante 
3    Komm Marie 
4    Ist der Reichtum eine Frucht 
5    Les Canuts 
6    Ein stolzes Schiff 
7    Das Wandern ist des Müllers Lust 
8    Che sara 
9    Die Herren der Welt 
10  Das Lied von der Moldau 
11  Andre, die das Land so sehr nicht liebten 
12  S’brent

>> hier könnt ihr in einige Titel reinhören


 

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Das hingehauchte »Comandante« – Linke Lieder, hinübergerettet ins Jetzt.

überschrieb Raoul Wilster eine bemerkenswerte Besprechung unserer neuen CD Avanti Popolo 3 für das Feuilleton der linken Tagszeitung „junge welt”  am 11.11. 2019


» Jegliches hat seine Zeit. 1965 verließ Ernesto »Che« Guevara Havanna für immer. In seinem Abschiedsbrief an Fidel Castro schrieb er: »Andere Gegenden der Welt verlangen die Unterstützung meiner bescheidenen Kräfte.« Carlos Puebla, der als Vater der »Nueva Trova« gilt, widmete dem Revolutionär einen Gesang der besonderen Art: »Hasta siempre« (Bis in die Ewigkeit), ein poetisches Liebeslied. Es wurde im Laufe der Jahrzehnte und Umbrüche zu einem klassisch kubanischen Folk-Evergreen – niemals vergessen, dieses hingehauchte »Comandante Che Guevara«, immer noch mitsingbar, mit Wehmut oder Trotz und womöglich etwas zu sentimental für eine Epoche, in der historischer Optimismus realpolitischem Pragmatismus gewichen zu sein scheint.
Die ins Moll gekippte Tango-Version der Band Ewo2 handelt eben davon: Sie verstärkt die Traurigkeit Pueblas und trägt so den Song ins Jetzt. Dessen zeitgemäßer, emotional aufgeladener Pragmatismus lässt eine freundlich-melodiöse Nachdenklichkeit aufkommen, die alten Wahrheiten Flügel verleihen könnte. So gestaltet zuvorderst der Knopfakkordeonist Laurent Leroi im rauhen Stakkato argentinisch-musikalischer Strenge das »Hasta Siempre!« als Komparativ für heute. Den Träumen von einer besseren Welt öffnen sich neue Räume.


Mit den zwölf Liedern auf ihrer dritten CD der Serie »Avanti Popolo«, gelingt es dem Ewo2-Trio aus Bernd Köhler (Gesang, Gitarre), Leroi und dem filigranen Geiger Joachim Romeis durchweg, politisches Liedgut hinüberzuretten in die Gegenwart. Sich erinnern kann in Sehnsüchten schlummernde Energien wecken. Der grade Blick auf die eigene Biographie kann dabei helfen, die Logik des Durchhaltens als »Linker Vogel, schräger Kauz«, so der Titel des ersten Stücks (Text und Musik: Bernd Köhler), das einen Helden des aufrechten Gangs beschreibt – in Degenhardtscher Manier inklusive Duktus und Schlaggitarrenspiel herzerfrischend durch die Wirren der Zeit, trotz der langen, dürren Jahrzehnte mit vielen »Stiefeltritten, Schlägen, allem Gram« (Hannes Wader), mit Ho Chi Minh und einem »Vogel im Kopf« (Gerhard Gundermann).


Der alles andere als pflegeleichte Typ wird zum Vorbild für eine vielleicht noch am besten ertragbare Lebensweise, denn das Wichtigste, die Quintessenz sozusagen, kommt zum Schluss, bevor das Lied mit einer Sinti-Geige nach Schnuckenack-Reinhardt-Art ausklingt: »Und bist der geblieben, der du bist.« Das unverzichtbare Credo, mit dem dem giftigen Sog des Opportunismus, den das pluralistisch-beliebige Mediensystem unserer Zeit zur Perfektion gebracht hat, eventuell sogar widerstanden werden kann. Von 1988 stammt der Text, verdammt lang her, als schon alles den Bach runterging und kaum jemand es recht wahrhaben wollte.


Damit leben wir also. Als im Gefolge der 68er die Arbeiterlieder entdeckt wurden, erlangte Köhler als Liedermacher »Schlauch« einige Bekanntheit. Die musikalisch-dialektische Retrospektive trug Zukunft in sich. Das blieb nicht so, und Köhler machte sich vor nun 20 Jahren gemeinsam mit dem Gitarristen Hans Reffert und der synthie-orchestralen Soundtüftlerin Christiane Schmied als kleines elektronisches Weltorchester im Quadrat (Ewo2) auf den Weg, hörbare »Einblicke in die Topographie widerständiger und aufklärerischer Kunst und Kultur« zu schaffen.


Inzwischen hat sich das Ensemble verändert und die Musik auch. Reffert verstarb vor fünf Jahren, sein Tod riss »eine brutale Schneise« auch in die Produktivität der Gruppe – das auf der CD veröffentlichte, 2009 entstandene Arrangement des Textes »Die Herren der Welt« von Erich Weinert vermittelt einen Eindruck. Widerstand ist auch Resultat von Leid, und das 1971 durch José Filiciano weltberühmt gewordene »Che sarà« wirkt in seiner Melancholie tief wie kaum zuvor. Es macht die anhaltende Verelendung des Trikont erspürbar; wie die verzweifelte Mahnung des jüdisch-polnischen Dichters Mordechaj Gebirtig »S’brent« erahnbar; wie Theodor Kramers »Andre, die das Land so sehr nicht liebten« prophetisch. Für die Brisanz all dessen stehen hierzulande die Übergriffe auf Flüchtlinge, Ausländer und Juden, in Übersee irgendwelche Proud boys oder prügelnde Cops im Anhang Trumps und der Sklavenhalter.


Ewo2 singen auch von der Gedächtnislosigkeit: Im Jahrhundert vor der Weltwirtschaftskrise 1929 verließen etwa 5,3 Millionen Auswanderer Deutschland – heute würden sie abfällig »Wirtschaftsflüchtlinge« genannt werden. Das traurig-schöne »Ein stolzes Schiff« des Hamburger Arbeiterdichters Hans Schacht nahm das Trio nach den rassistischen Angriffen 2015 ins Programm – eine kontemporäre Wiederentdeckung des von Zeitenbrüchen Verschütteten.


1944 dichtete Bertolt Brecht: »Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne / Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.« Damals hatte er recht. «


 

 

„Mannheimer Morgen” vom 4. Januar 2021


Mannheimer Morgen 4. Januar 2021


 


 

 

 

Titel: Nachrichten vom Untergrund / Bernd Köhler

 

 

 

 

 

 

„Nachrichten vom Untergrund” enthält eine Auswahl meiner Lieder und Texte aus der Zeit von 1967-1989. Teilweise mit Notationen, vielfach mit erklärendem Anhang bzw. begleitenden Fotos und Dokumenten. In Arbeit ist ein zweiter Band über die Jahre 1990–2020 mit dem Titel „HALT LOS der zweite Anlauf – Texte und Lieder 1990–2019”. Dieses Buch wird Mitte 2021 erscheinen.

Aus dem Pressetext des Llux-Verlag: „Mit 16 singt er in einer Skiffle-Group Worker-Songs, lernt autodidaktisch Gitarre und schreibt erste eigene Lieder. Unter dem Spitznamen „Schlauch”, den er aus Schulzeiten mitbringt, wird er zu einer Marke in den rebellischen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre. Er lebt einige Jahre in einem linken Arbeits- und Wohnkollektiv, unterstützt die widerständigen Bewegungen der Zeit und wird mit Songs wie „Gute Tradition (Nazis raus aus unsrer Stadt)” oder „Keine Wahl” (zur Unterstützung der Stahlarbeiter im Ruhrgebiet) bundesweit bekannt.

Nach dem 2013 erschienenen Buch KEINE WAHL mit Liedern und Balladen aus Arbeitskämpfen, veröffentlicht er nun eine Auswahl seiner Lieder und Texte, die an den gesellschaftlichen Aufbruch zwischen 1967 und 1989 erinnern.”

 

Bernd Köhler
NACHRICHTEN VOM UNTERGRUND
Lieder und Texte (1967–89)

Verlag Llux, 2019
Taschenbuch, 192-Seiten
Lieder, Texte, Fotos, Notationen, Dokumenten,  Erklärungen, etc.

 

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oder über den Plattenladen/die Buchhandlung deiner Wahl:   
ISBN 978-3-938031-81-0. 

 

 pdf... und hier gibt es noch einige Seiten zum Reinblättern

 

 


 

 

Titel: Nachrichten vom Untergrund / Bernd Köhler

 

 

 

 

FOLKER (song | folk | global)   2020-02

 

„Nicht selten stellt sich der Weg eines Durchschnittslinken aus der 68er-Generation wie folgt dar: Schule, Lehre oder Studium, Radikalisierung, Demos, Teach-ins, intensive Lektüre marxistischer und/oder anarchistischer Theoretiker, Leben in WGs, verschiedene Jobs, Einstieg ins Berufsleben, Relativierung früherer Positionen, Anpassungsverhalten, zügig voranschreitende Verbürgerlichung bis hin zum konservativen Denken.

Da ist Bernd Köhler, in den Siebzigern unter dem Namen Schlauch bundesweit bekannt gewordener Liedermacher, allerdings aus einem völlig anderen Holz geschnitzt. Er ist sich selbst in seinem Denken und Handeln über Jahrzehnte treu geblieben. Wo andere Liedermacher sich in melancholischer Selbstbespiegelung gefielen, hatte Köhler stets den Gesamtzusammenhang im Blick, ging auch dorthin, wo es unbequem war, stellte sich und seine Lieder kompromisslos in den Dienst seiner politischen Überzeugungen.

Nun hat er ein Lieder- und Textbuch vorgelegt, das die Jahre 1967 bis 1989 dokumentiert. Einige Kapitelüberschriften mögen verdeutlichen, worum es damals ging: „Erkenntnis und Widerspruch“, „Gegen Faschismus und Reaktion“, „Solidaridad Internacional“, „Leben, Lieben, Lachen, Kämpfen“, „Nachrichten vom Untergrund“, „Exemplarische Antworten“. Köhlers Texte sind lebendiger Ausdruck einer Epoche, die bis heute nachhaltig präsent ist. Und – manche Texte sind nach wie vor erschreckend aktuell. Mitte des Jahres erscheint der zweite Band, Halt Los, Texte und Lieder 1990-2019.”

Kai Engelke

 


 

Mannheimer Morgen   10. März 2020

 

Mannheimer Morgen vom 10. März 2020

 


 

graswurzelrevolution nr. 446   März 2020

 

(…) Bücher mit Songtexten sind letztlich natürlich ein wenig ambivalent, denn etwas Wesentliches fehlt immer. Darum abschließend:

Was Bernd Köhlers ersten Band seiner textlichen Retrospektive auch und besonders spannend macht, sind das biografische Vorwort und vor allem die eingestreuten Originalfotos, -plakate und –dokumente. So berichtet Bernd Köhler im Vorwort etwa von der Inszensierung von Brechts „Baal“ der Theatergruppe des JUZ Limburgerhof 1969 – wer das weiß, findet gerade in den frühen Songs sehr viel Brecht wieder. Mein Liebling unter den historischen Dokumenten: Der Springer-Artikel „Solche Künstler machen Werbung für den DGB“ und die Antwort Bernd Köhlers (S.104f.). Im Anhang finden sich zusätzlich persönliche Anmerkungen (S.187 – 190) zu einigen Lyrics, die diese politische kontextualisieren. Diese Kontextualisierung hätte ich mir mehr gewünscht, denn gerade sie macht Bernds Lieder spannend.


Klar, was fehlt ist die Musik zum Text. Wer sich dieses Buch kauft, sollte auf eine Platte nicht verzichten. Bernd selber empfiehlt abschließend „Schlauch live – Das Hartmannstraßenkonzert 1989“ (zu bestellen unter seiner Mailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) , ich möchte unbedingt die CD „Keine Wahl“ dazu empfehlen, Neuaufnahmen von seinen Liedern aus Arbeitskämpfen von 1971 – 2013, die Bernd Köhler mit dem „kleinen elektronischen Weltorchester“ (ewo2) 2013 neu interpretiert hat (dazu gibt es übrigens auch ein Buch). Die „musikalische Zutat“ (Noten gibt es in dem Buch übrigens auch, aber damit kann ich nichts anfangen) zu den Texten ist auch deswegen relevant, weil Bernd es immer verstanden hat, sehr fähige und empathische Musiker*innen um sich zu sammeln – das ist eine sinnvolle Alternative zu dem, was Mannheim sonst so an musikalischen Söhnen und Töchtern aufzuweisen hat (wobei es da noch mehr gute gibt – exemplarisch seien Chaoze One, Überdosis Grau und Joy Fleming erwähnt...) (...)

Torsten Bewernitz

 


 

ND - neues Deutschland  10. März 2020

 

»A working class hero is something to be«,sang John Lennon in den 70ern, und Bernd Köhler war damals einer: ein linker Liedermacher, bekannt unter dem Spitznamen Schlauch, vor allem im Raum Mannheim-Ludwigshafen. Er sang vor streikenden Arbeitern, in Jugendzentren, auf Demos. Zum Beispiel 1972 das »Lied, zu singen,in der Zeit des Spätkapitalismus«, für ihn eine Zeit, »wo die Polizei auf Geiseln schießt, wo nur der Bonze Schutz genießt«. Oder das »Lied vom Aal« (1970), der ist natürlich »liberal«.

Zu finden sind diese Agit-Prop Stücke in dem Buch »Nachrichten vom Untergrund«. Darin gibt es auch die Titelseite seiner Diplomarbeit in Grafikdesign, einer »Aktionsmappe« gegen Franz Josef Strauß, den CDU/CSU-Kanzlerkandidaten 1980. Später, im 21.Jahrhundert, hat Köhler mit der Band ewo2 die alten Working-Class-Hero-Songs musikalisch und textlich dekonstruiert und ist dabei trotzdem sehr links geblieben. Das Lied vom Spätkapitalismus endet so:»Leute, überwindet diese Zeit, auf, macht mit – seid bereit«